Zum Gottes-Dienst gehören Lobpreis, Dank und Liedgut. Im alten Israel nahmen Psalmgesänge einen wichtigen Platz im Gottesdienst ein, Lobgesänge instrumental mit Harfenspiel, Flöten oder Posaunen zu begleiten.
Bereits im Altertum ist die Orgel bekannt. Heute gehört praktisch zu jeder Kirche eine
Orgel. Und wo das Geld nicht ausreicht, da fängt man klein an. So war es auch bei uns in
der Peter und Paul-Kirche in Leinfelden. Am 14. Dezember 1896 fasste der
Kirchengemeinderat folgenden Beschluss:
Der Kirchengemeinderat ist versammelt, um einen Beschluß über die Vergebung der Orgel
herbeizuführen. Der Vorsitzende erstattet Bericht über die eingelaufenen Angebote. Es
liegen zwei vor. Eines von Weigle in Echterdingen und eines von Walker in Ludwigsburg. Die
von Walker vorgesehene, unserem Vorschlag entsprechende Orgel um 1.987 Mk. mit 5 Registern
erscheint uns zu klein. Dagegen erbietet sich Weigle, um 2.000 Mk. uns eine hübsche Orgel
mit 6 Registern zu liefern. Da das Angebot der Fa. Weigle in jeder Beziehung als das Beste
erscheint, so erteilt der K.G.R. einstimmig der Fa. Weigle den Auftrag. Es wird
vertragsgemäß gleich mit diesem Geschäft die Lieferung vereinbart.
Sechs Register waren keineswegs üppig, aber besser als nur fünf, und schließlich war man bescheiden und dankbar zugleich. Endlich hatte Leinfelden seine neue, eigene Kirche mit Glocken und einer Orgel dazu.
Doch trotz aller Langlebigkeit bei bester handwerklicher Verarbeitung ist auch eine
Orgel kein Instrument für die Ewigkeit. Nach knapp siebzig Jahren lesen wir im
Protokollbuch zur Sitzung des Kirchengemeinderates vom 4. Februar 1969 unter Punkt 5:
Der Vorsitzende berichtet, dass sich nach Prüfung der immer wieder versagenden Orgel in
der Kirche in Leinfelden durch einen Sachverständigen und Bezirkskantor Kübler ergeben
habe, dass diese nicht mehr zu reparieren bzw. eine Reparatur unrentabel sei. Man müsse
an eine Neuanschaffung denken.
Nach Einholung von Angeboten entschied sich der Kirchengemeinderat am 5. März 1969 für den Kauf einer Kleinorgel der Orgelbaufirma Walcker zum Festpreis von DM 19.300,-. Diese Orgel hat uns dann über 20 Jahre gute Dienste geleistet.
Doch daß die endgültige Orgel einmal gebaut werden müsste, stand schon 1969 fest. Aber erst am Ostersonntag, dem 31. März 1991, konnte mit einem Festgottesdienst die neue Orgel eingeweiht werden. Mit einem Preis von nahezu DM 250.000,- ist es mit seinen zwei Manualen, seinem Pedal und den 17 Registern eine Orgel der mittleren Preiskategorie. Mag die Orgel nun ein Symbol dafür sein, aufzuerstehen zu neuem (Gemeinde-)Leben, mit Gottesdiensten und Konzerten unter dem Wohlklang unserer neuen Orgel, und im Bewusstsein unseres Auftrages als einer Kirche der frohmachenden Botschaft Jesu Christi:
Lobet und preiset ihr Völker den Herrn, freuet euch seiner und dienet ihm gern. Die neue Orgel in der Peter und Paul-Kirche wurde für die Gemeinde zum Anlass, eine Konzertreihe unter dem Titel Konzerte in der Kirche zu entwickeln. OB Wolfgang Fischer schreibt in seinem Grußwort zum ersten Konzert unter anderem: das niveauvolle Konzertangebot in unserer Stadt wird mit der neukonzipierten Reihe Konzerte in der Kirche vor allem für Freunde klangvoller Orgelmusik um ein weiteres wichtiges Element der ernsten Musik ergänzt. Am 26. April 1992 fand das erste Konzert dieser Reihe statt. Inzwischen haben in der Reihe über 30 gut besuchte Konzerte stattgefunden, mit z. T. international bekannten Künstlern. Ganz besonderen Aufschwung verleihen der Konzertreihe die beiden Hochschullehrer Prof. Jon Laukvik (Orgel) und Hans Joachim Fuss (Flöte), sowie Hildegund Treiber (Orgel) und Matthias Beck (Trompete).
Herzlichen Dank allen Musikfreunden, die diese Konzerte bisher unterstützt haben. Und wir wünschen uns, dass auch im neuen Jahrtausend die Konzerte in der Kirche weitergeführt werden können.
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| Orgel 1897 |
Orgel 1991 |